Schulden ade!

Dauernd im Dispo, geplatzte Lastschrift, Mahnschreiben? Viele kennen das beklemmende Gefühl am Monatsende beim öffnen des Briefkastens, wenn unangenehme Briefe darauf warten gelesen zu werden. Kein Auskommen mit dem Einkommen – steigende Preise, unerwartete Nachzahlungen, wie eine Heizkosten- die Stromabrechnung oder große Ausgaben können das Konto schnell ins Minus treiben. Und die Fälle von Privatinsolvenz – wie bei TV-Moderatorin Andrea Ballschuh – steigen stetig an. Die Hamburger Verbraucherschützerin Kerstin Föller gibt Tipps, wie du die Schuldenfalle hinter dir lässt.

Buy now – pay later – die Büchse der Pandora

Experten schätzen, das mehr als 5,5 Millionen Menschen in Deutschland überschuldet sind– Tendenz ist leider steigend. Für 2026 schätzen Fachleute. dass es bis zu 110.000 Privatinsolvenzen geben wird. Der häufigste Auslöser ist heute Krankheit, gefolgt von Jobverlust und Trennung, besonders oft betroffen sind Alleinerziehende. Daneben verschulden sich immer mehr Menschen durch verlockende „Buy now, pay later“-Angebote, wenn der Überblick über Ratenzahlungen verloren geht.

Juristin und Schuldnerberaterin Kerstin Föller von der Verbraucherzentrale Hamburg holt das Thema Schulden aus der Tabuzone und macht Mut: „Schulden sind kein Charakterfehler.“ Im Podcast „WHAT THE FINANCE“ erklärt sie, welche Warnsignale früh ernst zu nehmen sind, warum Scham nicht weiterhilft – und wie ein klarer Plan den Weg aus der Krise führen kann. 

1. Aktiv werden statt Verdrängen

Warte nicht, bis es zu Vollstreckungsmaßnahmen kommt – werde früh aktiv. Hol Dir rechtzeitig Unterstützung bei einer Verbraucherzentrale oder Schuldnerberatung, nicht erst dann, wenn das Konto monatelang im Minus ist oder die erste Lastschrift platzt. In vielen Städten ist die Beratung bis zu bestimmten Einkommensgrenzen kostenlos. Je früher du Dir Hilfe suchst, desto größer sind die Chancen, deine Finanzen auch schneller wieder in den Griff zu bekommen.

2. Den Überblick erhalten

Mach einen Kassensturz: Welche Schulden bestehen, welches Vermögen ist vorhanden? Schreiben sie alles auf – so unangenehm es wirkt, nur so bekommen sie den Überblick. Ein Haushaltsbuch in Buch-Form oder als App zeigt, wo das Geld versickert – oft sind es die kleinen Beträge, die sich summieren. Auch jährliche Kosten wie Versicherungen oder beispielsweise Autosteuern solltest du im Blick haben, damit sie dich nicht überraschen. Wer seine Einnahmen und Ausgaben kennt, kann Prioritäten setzen und womöglich unnötige Posten streichen und aktiv sparen. Legen sie einen Aktenordner mit Rechnungen und Mahnschreiben an. Ein Schuhkarton mit ungeordneten Belegbergen ist viel zu unübersichtlich.

Gratis ist nicht umsonst – Kostenfallen lauern gern im Internet

3. Was sind Kostenfallen im Web?

Die sogenannten Kosten- oder Abofallen gehören seit Jahren zu einer viel beklagten Erscheinung im Internet. Gemeint damit sind Angebote, die vermeintlich kostenlos sind, dann aber Zahlungsaufforderungen nach sich ziehen. Weil die Betreiber der jeweiligen Seiten die Kostenpflicht verbergen, tappen die User in die Kostenfalle.

Die Facetten der Kosten- und Abofallen sind vielfältig. Oft werden Angebote oder Leistungen als „kostenlos“, „gratis“ oder „free“ angeboten oder als Geschenk, Dankeschön, Treueprämie oder kostenloses Gewinnspiel getarnt. Aufforderungen wie „Jetzt gratis Zugang einrichten“ mögen zwar vordergründig stimmen. Für das gesammelte Bereitstellen der Dienstleistung wird aber eine Gebühr erhoben. Die Information hierüber findet sich dann oft an einer versteckten Stelle auf der Homepage. Meist ist sie in kleiner Schrift gehalten oder in einem Text versteckt. Persönliche Daten (Name, Adresse und Bankdaten) werden abgefragt, was bei unentgeltlichen Angeboten unüblich ist.

Die Kostenfallen verbergen sich häufig hinter Dienstleistungen, die woanders im Internet zumeist entgeltfrei angeboten werden, wie zum Beispiel die Möglichkeit zum Download von Freeware , die Erstellung von Horoskopen und Intelligenztests. Oft sind sie mit einer Vertragslaufzeit von längerer Dauer verbunden („Abofallen“). Manche Angebote richten sich gezielt an Kinder und Jugendliche, die die Reichweite ihrer Handlungen im Netz noch nicht einschätzen können. Fallensteller investieren viel Geld um via Suchmaschinenwerbung ihre Opfer in die Falle zu locken. Ein kommendes Gesetz gegen Kostenfallen im Internet soll dem nun einen Riegel vorschieben.

Richtig reagieren bei Forderungen

  • Nicht sofort zahlen: Lassen Sie sich von Mahnungen oder Inkasso-Schreiben nicht einschüchtern.
  • Widersprechen: Erklären Sie schriftlich per Einwurf-Einschreiben, dass kein wirksamer Vertrag zustande kam.
  • Rechtliche Grundlage: Nach EU-Recht müssen Bestell-Buttons im Netz klar mit „zahlungspflichtig bestellen“ beschriftet sein – unklare Begriffe reichen nicht.
  • Drittanbietersperre: Aktivieren Sie bei Ihrem Mobilfunkanbieter eine Sperre, um ungewollte Handy-Abos zu stoppen.
  • Beratung nutzen: Die Verbraucherzentrale Hamburg bietet Hilfe und Musterbriefe gegen unberechtigte Forderungen.
  • Nicht auf KI-Tricks reinfallen! Momentan wird das Web mit unzähligen sogenannten KI-Geldanlagetipps geflutet. Anlegern, die relativ geringe Summen investieren, werden bis zu vierstellige Ausschüttungen prognostiziert. Wer darauf reinfällt und Geld überweist könnte sich auch Havanna-Zigarren mit 20-Euroscheinen anzünden und denken das Raucherlebnis ist dann besser.
  • Abofalle im Internet – zahlen Sie nicht! Verbraucher, die vermeintlich ein Abo abgeschlossen haben, sollten Ruhe bewahren und sich nicht durch Mahnschreiben bzw. Rechnungen ins Bockhorn jagen lassen. Das ist die Strategie dieser Betrüger.
  • Typisch ist dabei, dass die angebotene bzw. erbrachte Leistung in keinem Verhältnis zu den geltend gemachten Kosten steht.

Richtig reagieren bei Forderungen

  1. Nicht sofort zahlen: Lassen Sie sich von Mahnungen oder Inkasso-Schreiben nicht einschüchtern.
  2. Widersprechen: Erklären Sie schriftlich per Einwurf-Einschreiben, dass kein wirksamer Vertrag zustande kam.

4. Schutz des Einkommens

Wer Schulden bei einer Bank hat, sollte das eigene Gehalt nicht auf das betroffene Konto laufen lassen – die Bank kann sonst Beträge automatisch für offene Forderungen abbuchen. Schutz bietet ein Pfändungsschutzkonto (P-Konto) bei jeder Bank, das seit Juli 2025 einen Freibetrag von 1.560 Euro pro Monat automatisch schützt. Mit Unterhaltspflichten kann dieser Betrag erhöht werden.

5. Schuldgefühle sind falsche Ratgeber

„Es kann jede und jeden treffen, vom Bürgergeld-Empfänger bis zum Professor„, Zur Lebensrealität gehören ganz einfach Schulden. Es gibt viele gute Gründe Schulden zu haben und sie sind kein Grund für Scham. Entscheidend ist, den Überblick zu behalten. Nur mit reinem realistischen Plan kann man Schritt für Schritt seine Verbindlichkeiten zurück zahlen. Gerade Inkassofirmen arbeiten mit Schuldgefühlen und schätzen einen drohenden Schreibstil.

von Norbert Schmidt

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