Premiere: The English Theatre of Hamburg – Das Bildnis des Dorian Gray

Dorian-Gray-Poster_ai – The English Theatre of Hamburg

Info

„The Picture of Dorian Gray“ wird gespielt im ETH, Lerchenfeld 14, Hamburg-Mundsburg,

noch bis zum 31.Oktober 2026, Karten gibts ab 29 Euro unter Telefon 040-2277089, weitere Infos im Internet unter www.englishtheatre.de

Die 50. Spielzeit des Theaters wird mit einem Literaturklassiker des irischen Dramatikers Oscar Wilde eingeläutet. Sein einziger Roman hat es zu einem zeitlosen Meisterwerk und Klassiker der Weltliteratur gebracht. Seit seinem skandalumwitterten Erscheinen 1890 hat The Picture of Dorian Gray einen beachtlichen Bekanntheitsgrad erlangt, der vor allem auf seiner raffinierten psychologischen Grundidee basiert: der Frage, ob und wie es zu verhindern ist, dass Jugend und Schönheit zwangsläufig Alter und Verfall zum Opfer fallen und welche Rolle Moral, Dekadenz und ausschweifende Lebensführung dabei spielen.

Der Kern der Handlung

Der junge, gutaussehende, aber zunächst noch recht naive Dorian Gray lässt sein Porträt von dem befreundeten Künstler Basil Hallward malen. Von dem Bild und dessen Schönheit ist er ebenso begeistert wie betroffen angesichts der Vorstellung, dass er selbst mit zunehmendem Alter eben diese Schönheit ja verlieren und durch das Bild immer schmerzlich an sie erinnert werden wird. Vor diesem Hintergrund äußert er den spontanen Wunsch, dass er seine Seele dafür geben würde, wenn statt seiner das Bild altere und ihn selbst ewige Jugend und Schönheit erhalten blieben.Sein Wunsch geht in Erfüllung, und so altert und verfällt sein Bild, während er selbst, trotz des zunehmend verdorbenen und ausschweifenden Lebens, das er zu führen beginnt, ein ewig junger und schöner Narziss bleibt. Schon die erste Begegnung, in der der Künstler Basil Hallward und sein Freund Lord Henry Wotton von Gray faziniert sind, vermittelt eine homoerotische Spannung und das Gefühl der tragischen, weil vergänglichen Blüte der Jugend. Doch selbst skrupellose Verbrechen – vom Verführen und Verlassen einer jungen Schauspielerin bis hin zur Ermordung seines Künstlerfreundes, um zu verhindern, dass dieser das einst von ihm gemalte Bild ausstellt – gehen scheinbar spurlos an ihm vorüber… Erst der späte Wunsch, sein Leben zu ändern und das verhasste Bild zu vernichten, führt dazu, dass er im Wahn statt des Bildes sich selbst zerstört und ersticht. Dadurch verwandelt sich sein toter Körper in das auf dem Bild dargestellte Monster, während das Kunstwerk sich zurückverwandelt in seine ursprüngliche jugendliche Schönheit.

Die im English Theatre of Hamburg (ETH) präsentierte Fassung unter der Regie von Paul Glaser basiert auf der Bühnenadaption von Merlin Holland, dem einzigen Enkel von Oscar Wilde, und John O´Connor, die im Queens Hall Arts Center Hexham im April 2015 Premiere feierte. Kritiker lobten damals, dass diese Inzenierung Oscar Wildes Ideen und Absichten klarer zum Ausdruck brächten als die zu Wildes Zeiten durch die damaligen Herausgeber „bereinigten“ gedruckten Versionen des Romans. Denn Holland und O`Connor hätten die zuvor wegen der Zensur aus dem Original entfernten Segmente erfolgreich wieder in das Stück hineingearbeitet.

Die Darsteller:

Eine besondere Erwähnung gilt nicht zuletzt den vier exzellenten, mit viel Beifall belohnten Schauspielern am ETH: Allen voran Joshua Campbell-Hart als Dorian Gray, der sein professionelles Debut in dieser Rolle im English Theatre of Hamburg gibt, nachdem er sein professionelles Studium am Royal Birmingham Conservatoire erst im Juli 2026 abgeschlossen hat. Höchst bewundernswert auch seine beiden Kollegen William Osbeldiston-Hawkes als Maler Basil Hallward und Ben Kenzie als Lord Henry Wotton, die mit beeindruckender Wandlungsfähigkeit über ihre Hauptrollen hinaus noch zahlreiche weitere Personen des Stückes verkörpern…

Desgleichen auch Jess Saunders, die bravourös in fast alle weiblichen Rollen schlüpft – von der Schauspielerin Sibyl Vane bis hin zur snobistisch-arrogarten Lady Agatha.

Text Angelika Fischer, Foto/Grafik ETH

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